Was ist eine Klassifikationsgesellschaft?
Der Dachverband IACS beschreibt eine Klassifikationsgesellschaft als Organisation, die
- veröffentlicht eigene Klassenregeln,
- stellt beim Bau und regelmäßig während der Betriebszeit fest, dass das Schiff diese Regeln mit hinreichender Sicherheit einhält,
- veröffentlicht ein Register der klassifizierten Schiffe,
- wird nicht von Reedern, Werften oder anderen Unternehmen kontrolliert, die Schiffe bauen, ausrüsten, reparieren oder betreiben, und ist an ihnen nicht beteiligt,
- ist von Flaggenstaaten befugt, hoheitliche Aufgaben nach SOLAS Kapitel XI-1 Regel 1 wahrzunehmen.
Was bedeutet „Klasse“?
Laut IACS wird die Klasse vergeben, wenn die Prüfung der Konstruktion und die Besichtigungen während des Baus ergeben haben, dass das Schiff die Regeln der Gesellschaft mit hinreichender Sicherheit einhält. Das Schiff erhält dazu Klassenzeichen, eine Folge von Zeichen und Wörtern, die seinen Status beschreibt. Jede Gesellschaft hat eigene Zeichen und Schreibweisen. Nach einem Informationspapier der IACS wurden in frühen Registern die Bewertungen G, M und B durch 1, 2 und 3 ersetzt — daher der bekannte Ausdruck „A1“ für die höchste Klasse.
Was ist IACS?
Die International Association of Classification Societies ist selbst keine Klassifikationsgesellschaft, sondern der Dachverband, in dem die einzelnen Gesellschaften ihre Arbeit abstimmen und gemeinsam bei der IMO auftreten. Gegründet wurde sie 1968 von sieben Gesellschaften; seit 1969 berät sie die IMO. Nach eigener Angabe decken die Regeln der zwölf Mitglieder mehr als 90 % der Frachttonnage der Welt ab.
- ABS — American Bureau of Shipping
- BV — Bureau Veritas
- CCS — China Classification Society
- CRS — Croatian Register of Shipping
- DNV
- IRS — Indian Register of Shipping
- KR — Korean Register
- LR — Lloyd’s Register
- NK — Nippon Kaiji Kyokai (ClassNK)
- PRS — Polish Register of Shipping
- RINA — RINA Services
- TL — Türk Loydu
Was IACS herausgibt
Technische Mindestanforderungen, die die Mitglieder in ihre Regeln übernehmen; jedes Mitglied darf strengere Anforderungen stellen. Für Schweißbetriebe wichtig: UR W11 (Schiffbaustahl), UR W28 (Schweißverfahrensprüfung), UR W32 (Schweißerprüfung).
Einheitliche Auslegungen von IMO-Übereinkommen und -Entschließungen.
Verfahrensvorgaben, die die Mitglieder befolgen.
Empfehlungen und Leitfäden, die nicht zwingend Sache der Klasse sind, etwa Rec. 47, der Qualitätsstandard für Neubau und Reparatur.
Was UR W11 für die Stahlgüten festlegt, steht unter Schiffbaustahl; welche Temperaturgrenzen Rec. 47 beim Richten nennt, unter Flammrichten im Schiffbau.
Was die Klasse für Zulieferer bedeutet
- Rumpfstahl kommt aus einem von der Klasse anerkannten Werk und wird unter Beteiligung ihres Surveyors abgenommen (IACS UR W11).
- Schweißer und Schweißverfahren werden nach einem von der Klasse anerkannten Standard geprüft (IACS UR W28, UR W32; Regeln der Klasse).
- Wer wichtige Bauteile schweißt, braucht je nach Klassenregel eine Anerkennung als Schweißbetrieb.
- Im Neubau arbeiten Werft und Unterlieferanten unter der Aufsicht des Surveyors (IACS Rec. 47, Teil A 2.1).
Wie das bei DNV aussieht und was aus früheren GL-Zulassungen geworden ist: DNV-Zulassung. Betriebspraxis, keine Normvorgabe: Vor dem Angebot klären, welche Klasse das Schiff hat und welche Anerkennungen die Werft vom Zulieferer erwartet.
Wo man die Klassenregeln einsehen kann
Die IACS-Anforderungen (UR, UI, PR, Rec.) stehen auf iacs.org.uk zum Download. Bei den Gesellschaften ist der Zugang verschieden:
- DNV: Die aktuellen Regeln stehen im Rules and Standards Explorer, der eine Anmeldung verlangt. Die Regeln des Germanischen Lloyd führt DNV als frei zugängliches Archiv.
- Lloyd’s Register: Die Regeln stehen laut LR ausschließlich in Regs4ships und sind nach Registrierung kostenlos.
- Bureau Veritas und ABS: Bei unserem Abruf am 5. Oktober 2026 waren Regel-PDFs ohne Anmeldung abrufbar.
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