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Schiffbaustahl: Güten, Zeugnis und Schweißbarkeit

Schiffbaustahl für den Rumpf ist in der IACS-Anforderung UR W11 „Normal and higher strength hull structural steels“ geregelt, die die Klassifikationsgesellschaften in ihre Regeln übernehmen. Die Werte unten stammen aus Revision 9 (2017); Revision 10 (September 2025) gilt ab dem 1. Januar 2027 und nennt dieselben Streckgrenzen und Prüftemperaturen.

Welche Güten es gibt

W11 sieht vier Güten normalfesten Stahls vor, unterschieden nach der Kerbschlagprüfung, und drei Festigkeitsstufen höherfesten Stahls mit 315, 355 und 390 N/mm², jede wiederum in vier Güten nach der Prüftemperatur (Abschnitt 1.3). Der Buchstabe sagt also, wie kalt geprüft wird; die Zahl, wie fest der Stahl ist.

Normalfest: A, B, D, E
  • Streckgrenze mindestens 235 N/mm²
  • Prüftemperatur Kerbschlag: A +20 °C · B 0 °C · D −20 °C · E −40 °C
  • Güte A bis 50 mm Dicke ohne Kerbschlagwert in Tab. 6; Güte B bis 25 mm Dicke in der Regel ohne Kerbschlagprüfung (Tab. 6, Anm. 4)
Höherfest: A32 / D32 / E32 / F32
  • Streckgrenze mindestens 315 N/mm²
Höherfest: A36 / D36 / E36 / F36
  • Streckgrenze mindestens 355 N/mm²
Höherfest: A40 / D40 / E40 / F40
  • Streckgrenze mindestens 390 N/mm²

Prüftemperatur der höherfesten Güten (Tab. 7): A 0 °C · D −20 °C · E −40 °C · F −60 °C. Normalfest nach Tab. 6, höherfest nach Tab. 7 der UR W11.

AH36 oder A36 — die Schreibweise

W11 schreibt die höherfesten Güten in den Tabellen ohne „H“: A32, D36, E40; nach Tab. 2, Anm. 1 darf das „H“ angehängt werden (AH 32). Im Handel und in den Datenblättern der Hersteller stehen dieselben Güten meist als AH32, DH36 oder EH36, so etwa in den Datenblättern von SSAB. Gemeint ist dieselbe Festigkeitsstufe; maßgeblich ist, welche Klasse das Blech abgenommen hat.

Was die Güte über die Schweißbarkeit sagt

Für thermomechanisch gewalzte Stähle (TM) verlangt W11 in Abschnitt 4.3 ein Kohlenstoffäquivalent aus der Schmelzanalyse, Ceq = C + Mn/6 + (Cr + Mo + V)/5 + (Ni + Cu)/15, mit Höchstwerten nach Tabelle 3. Nach Ermessen der Klasse darf statt Ceq der Pcm-Wert herangezogen werden. Tabelle 3 gilt für TM-Stahl.

Ceq-Höchstwerte TM-Stahl, W11 Tab. 3
  • 32er-Güten: höchstens 0,36 (bis 50 mm) bzw. 0,38 (über 50 bis 100 mm)
  • 36er-Güten: höchstens 0,38 bzw. 0,40
  • 40er-Güten: höchstens 0,40 bzw. 0,42

Hersteller und Werft können im Einzelfall einen strengeren Wert vereinbaren (Tab. 3, Anm. 1). Der Ceq aus dem Zeugnis zählt auch beim Richten: IACS Rec. 47 setzt die Temperaturgrenzen für TM-Stahl je nach Ceq über oder unter 0,38 % unterschiedlich an — Flammrichten im Schiffbau.

Zeugnis und Klassenabnahme

Schiffbaustahl für klassifizierte Rumpfstrukturen wird unter Beteiligung der Klasse abgenommen. W11 legt dafür fest:

  • Hergestellt in einem Werk, das die Klasse für Art und Güte des Stahls anerkannt hat (2.1).
  • Prüfungen im Herstellerwerk vor dem Versand; Proben werden vom Surveyor ausgewählt, gestempelt und in seinem Beisein geprüft, sofern nichts anderes vereinbart ist (11.2).
  • Jedes Stück trägt das Zeichen der Klasse, das Gütekennzeichen (etwa A oder A36), bei TM-Stahl auf Verlangen der Klasse die Buchstaben TM, das Kennzeichen des Stahlwerks und die Schmelz- oder Stücknummer (16.1).
  • Bevor der Surveyor das Prüfzeugnis unterschreibt, erklärt der Hersteller schriftlich, dass der Stahl nach anerkanntem Verfahren hergestellt ist und die Prüfungen in Gegenwart des Surveyors bestanden hat; der Name der Klasse steht auf dem Zeugnis (17.2).

Betriebspraxis, keine Normvorgabe: Beim Wareneingang lohnt der Abgleich der Stempelung am Blech — Klassenzeichen, Güte, Schmelznummer — mit dem Zeugnis, bevor das Blech in den Zuschnitt geht. Wie sich die Prüfbescheinigungen nach EN 10204 im allgemeinen Stahlhandel unterscheiden, steht auf der Seite Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204.

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