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Unterwasserschweißen: Verfahren, Qualifikation, Nachweise

Unter Wasser wird geschweißt, wenn ein Bauteil nicht ins Trockene kommt: an Spundwänden, Hafenanlagen, Offshore-Strukturen oder am Schiffsrumpf. Diese Seite ordnet die beiden Verfahren ein und zeigt, welche Qualifikation der Schweißer und welche Nachweise der Betrieb braucht.

Wie kann man unter Wasser schweißen?

Es gibt zwei Wege. Beim nassen Unterwasserschweißen arbeitet der Taucher direkt im Wasser, meist mit wasserfest umhüllten Stabelektroden. Beim trockenen Unterwasserschweißen wird das Wasser aus einer Kammer oder einem Habitat um die Schweißstelle verdrängt; der Schweißer arbeitet dort in Gasatmosphäre, aber unter dem Druck der Wassertiefe (TWI, „What is underwater welding?“; ISF der RWTH Aachen).

Nass

Ohne Kammer, also mit weniger Aufwand. Das umgebende Wasser kühlt die Naht sehr schnell ab, das erhöht die Rissgefahr (TWI). Die DVS-Richtlinie 1801 regelt dieses Verfahren.

Trocken

Hoher Aufwand für Kammer oder Habitat, dafür laut TWI eine höhere Nahtqualität als beim nassen Verfahren. Für die Qualifikation des Schweißers gibt es mit ISO 15618-2 einen eigenen Normteil.

Welche Prüfung braucht der Unterwasserschweißer?

Die Qualifikationsprüfung für das nasse Schweißen unter Überdruck regelt ISO 15618-1:2016; sie richtet sich an Taucherschweißer, die Stahl von Hand oder teilmechanisiert schweißen. ISO 15618-2 gilt für das trockene Schweißen unter Überdruck. Daneben gibt es die amerikanische AWS D3.6M „Underwater Welding Code“; sie unterscheidet laut TWI die Schweißklassen A, B und O.

Für Betriebe, die sich für das nasse Unterwasserschweißen an Bauwerken zertifizieren lassen, verlangt die DVS-Richtlinie 1801 (Dezember 2025) in Abschnitt 5.2.1, dass nur Schweißer mit gültiger Prüfungsbescheinigung nach ISO 15618-1 oder gültigem Zertifikat nach AWS D3.6M eingesetzt werden. Hinzu kommt die Taucherqualifikation: Laut Richtlinie dürfen Taucherarbeiten nur Personen ausführen, die die Prüfung zum Geprüften Taucher nach der staatlichen Prüfungsverordnung abgelegt haben. Die Schweißerprüfung allein reicht also nicht.

Was der Betrieb nachweist

DVS 1801 teilt das nasse Unterwasserschweißen in Tabelle 1 in vier Ausführungsklassen ein und knüpft daran Qualitätsanforderungen und die Kenntnisse der Schweißaufsicht. In allen Klassen verlangt die Richtlinie mindestens zwei fest angestellte geprüfte Unterwasserschweißer.

Klasse UA
  • Nicht tragende Bauteile, etwa Dichtnähte
  • Qualitätsanforderungen nach ISO 3834-4, Kenntnisse der Schweißaufsicht orientiert an ISO 3834-5
Klasse UB
  • Tragwerke, vorwiegend ruhend beansprucht, Wassertiefe bis 20 m
  • Qualitätsanforderungen nach ISO 3834-3, Schweißaufsicht Schweißfachmann
Klasse UC
  • Tragwerke, vorwiegend ruhend beansprucht, Wassertiefe über 20 m — und unabhängig von der Tiefe alle vorwiegend ruhend beanspruchten Bauteile von Konstruktionen, die nach den Stahlbaugrundnormen bemessen sind (Tab. 1, Fußnote 1)
  • Qualitätsanforderungen nach ISO 3834-2, Schweißaufsicht Schweißtechniker
Klasse UD
  • Tragwerke, nicht vorwiegend ruhend beansprucht; laut Tab. 1, Fußnote 2 „alle Bauteile der Klasse UC und Bauteile, die besondere Kenntnisse über Ermüdungsfestigkeit der Verbindungen erfordern, z. B. Stahlwasserbauteile nach DIN 19704“
  • Qualitätsanforderungen nach ISO 3834-2, Schweißaufsicht Schweißfachingenieur
Nachweise nach DVS 1801
  • Schweißanweisung (WPS) nach ISO 15609-1 — laut Tabelle 1 erforderlich.
  • Arbeitsprüfungen nach ISO 15613 für Stähle mit einer Streckgrenze über 360 MPa sowie für Stähle bis 360 MPa mit einem Kohlenstoffäquivalent CEV über 0,40; den Prüfumfang legen Auftraggeber und Auftragnehmer fest.
  • Gültige Prüfungsbescheinigung jedes Unterwasserschweißers nach ISO 15618-1 oder Zertifikat nach AWS D3.6M, dazu der Nachweis als Geprüfter Taucher.
  • Bescheinigung einer anerkannten Zertifizierungsstelle über die Eignung des Betriebs für die jeweilige Ausführungsklasse, gültig höchstens drei Jahre.

Welche Stellen Betriebe für das Unterwasserschweißen zertifizieren, nennt der DVS in seinem Verzeichnis auf dvs-home.de.

Am Schiff kommt die Klasse hinzu: IACS Rec. 47 stellt Reparaturen unter die Aufsicht des Surveyors; Reparaturen sind vorab mit ihm abzustimmen (Teil B, 2.1). Ob und unter welchen Bedingungen eine Unterwasser-Schweißreparatur am Rumpf anerkannt wird, entscheidet die jeweilige Klassifikationsgesellschaft — Klassifikationsgesellschaften im Überblick.

Ist Unterwasserschweißen gefährlich?

Ja, die Arbeit verbindet zwei Gefährdungen. DVS 1801 nennt in Abschnitt 3 die erhöhte elektrische Gefährdung, weil Schweißstelle und Schweißer im Wasser sind, und die hyperbare Umgebung, weil der Wasserdruck immer wirkt. Laut TWI wird deshalb mit Gleichstrom geschweißt. Die Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 40 „Taucherarbeiten“ verlangt in § 6 elektrische Anlagen, die für den Einsatz unter Wasser geeignet und über einen gekennzeichneten Hauptschalter allpolig abschaltbar sind.

Betriebspraxis, keine Normvorgabe: Wer Schweißerprüfung, Taucherqualifikation und Gültigkeit beider Nachweise je Person zusammen führt, sieht vor dem Einsatz, wer tauchen und schweißen darf.

SchiffNorm läuft auf SchweißDoku.